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Brexit und ein bisschen mehr

„Ja, es ist Panik,“ so zitiert die TAZ vom 30.6.2016 Laurie Penny, eine bekannte Buchautorin und Journalistin aus Großbritannien. Auf die Frage, ob sich ihr Land seit Donnerstag letzter Woche, dem Tag der Abstimmung über den EU Austritt, wirklich so massiv verändert habe antwortete die Journalistin:

„Niemand weiß doch, was jetzt passiert. Niemand weiß, was uns die nächsten paar Wochen und Monate bringen werden. Denn niemand kennt den Plan für einen EU Austritt. Wird es ein weiteres Referendum geben? Wird das Parlament den Austritt blockieren? Wir haben keinen Premierminister. Die Labour Party frisst sich selbst auf. Es ist die größte Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Es ist ein Chaos und die Leute sind sehr ängstlich.“

Die Journalistin Laurie Penny bringt hier in kurzen knappen Worten auf den Punkt, was auch in anderen Medien über die Stimmung in Großbritannien seit dem so genannten Brexit zu lesen ist.

„Keine Panik auf der Titanic ,“ so eine Textzeile aus einem bekannten Song von Udo Lindenberg aus den siebziger Jahren.

Sobald ich außerhalb meiner geschäftlichen Tätigkeit mit Bekannten oder Freunden spreche, scheint der denkbare Austritt Großbritanniens aus der EU im Moment eher im Sinne von Udo Lindenberg betrachtet zu werden. Am Samstag spielt die deutsche Nationalmannschaft gegen Italien. Wie wird die Mannschaftsaufstellung des Bundestrainers Löw sein? Wird Deutschland endlich einmal gegen Italien einen Sieg davon tragen? Das bewegt viele Gemüter momentan mehr als alles andere.

Auch im Bereich der Leitmedien läuft die Berichterstattung über die Fußball Europameisterschaft unverändert weiter, aber immerhin gibt es auch dort genügend Berichterstattung über das Problem Brexit und die Folgen für die EU als Ganzes.

Ein gewisser Junker, amtierender Präsident der EU-Kommission will ohne die nationalen Parlamente zu befragen das CETA- Abkommen mit Kanada durchbringen. Junker scheint wenig verstanden zu haben. Der mit der EU und den USA geplante, höchst umstrittene TTIP-Vertrag steht ebenfalls noch im Raum. Soll dort etwa auch ohne Abstimmung in den nationalen Parlamenten vorgegangen werden?

„Weltwährungsfonds: Deutsche Bank wohl riskantes der Bank der Welt,“ so in einem Bericht des Managermagazins vom 30.6.2016. Laut IWF gehe von keiner anderen Bank weltweit ein größeres Risiko für das globale Bankensystem aus als von der Deutschen Bank, berichtet das Blatt weiter. Die US-Notenbank FED hatte erst kürzlich eine Tochtergesellschaft des Frankfurter Bankhaus durch einen Stresstest fallen lassen.

Dass die Deutsche Bank vielfältige Probleme hat, ist allgemein bekannt. Momentan wird viel umstrukturiert. Im Vorstandsbereich ist endlich wieder eine klare Linie erkennbar.

Alle Großbanken weltweit tragen Systemrisiken mit sich. Aber die Deutsche Bank, so etwas wie eine nationale Institution, das gefährlichste Geldhaus überhaupt? Warten wir doch einmal ab, wie die Deutsche Bank eingeschätzt wird, sollte das Freihandelsabkommen TTIP ratifiziert werden. Sollte TTIP allerdings nicht durchkommen gehen möglicherweise an einigen Stellen in Europa die Lichter aus. Teile der Geschäftswelt betrachten die Strukturen von Staaten oder Staatengemeinschaften regelmäßig mit anderen Augen.

„Der Brexit dürfte den Boom nach Betongeld in Deutschland weiter verstärken, die Kurse der Branchenaktien profitieren bereits,“ so das Handelsblatt am 27.6.2016. Sollte sich eine Abwanderung von Finanzunternehmen aus der City auf London abzeichnen, warum dann nicht nach Frankfurt gehen?

Zitat aus dem Handelsblatt: „Die Spekulationen über Wohn-und Büroflächenbedarf schießen wahrscheinlich ins Kraut und befeuern damit die Preisentwicklung. Nach Immowelt -Daten liegt die mittlere Monatsmiete für Wohnungen in Frankfurt aktuell bei 13,10 €. Ein Zuzug würde die Wohnungsmieten weiter in die Höhe treiben.“

„Baudarlehen werden dank der Briten noch billiger,“ schreibt die FAZ am 30.6.2016. Wegen der Unsicherheiten an den Finanzmärkten fließt mehr Geld in vergleichsweise sichere Bundesanleihen, welche dadurch das Zinsniveau in diesem Segment tendenziell bis in den Negativbereich treiben können. An den Bundesanleihen wiederum orientieren sich die Hypothekenzinsen. Die Postbank verlangt aktuell für ein zehnjähriges Baudarlehen lediglich 0,96 % Zinsen (Beleihungsgrenze 50 %.) Derartig niedrige Hypothekenzinsen machen Investitionen in Immobilien noch attraktiver als sie es jetzt schon sind. Ich warne jedoch davor, beim Immobilienkauf nicht jeder Verlockung unbedacht nachzugehen. Es gibt immer noch für den ein oder anderen die Möglichkeit einer so genannten 100 % Finanzierung. Aber Vorsicht! Ohne eine vernünftige Eigenkapitalquote sind für die meisten Käufer die Risiken viel zu groß. Aus der Realisierung eines Traums sollte schließlich nicht irgendwann ein Albtraum werden.

Ein gutes Wochenende, auch beim Fußball schauen,

wünscht Ihnen
Herzlichst

ihre Jaqueline Hartmann .

2016-11-17T22:46:01+00:00 1. Juli 2016|