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„Die Welt steht Kopf. Der Schuldner verdient, und der Sparer bezahlt,“

so Bert Flossbach Vorstandsmitglied des renommierten Vermögensverwalters Flossbach von Storch in einem Interview der mir vorliegenden Juni-Ausgabe des Fachmagazins Das Investment. Flossbach, der mit seiner Firma weit mehr als 10 Milliarden € Vermögen verwaltet macht sich Sorgen. Es geht um die NullzinspoliJk der EZB mit ihrem Vorsitzenden Mario Draghi. Bürger, die Geld anzulegen haben, und davon gibt es immer noch genug in Deutschland, wissen nicht wohin mit ihrem Vermögen. Ein Sparbuch bringt fast nichts, schlimmer noch als das, einige Banken verlangen bereits Negativzinsen auf größere Guthaben. Ich kenne niemanden, der von einer Wirtschaftsperiode weiß, in welcher es jemals so etwas gegeben hat.

Aber irgendwo muss das Geld ja hin, und Rendite bringen soll es auch noch. Manch ein Analyst hält in der Gesamtschau bereits Aktienanlagen für überbewertet. Der deutsche Bürger ist im Gegensatz zu den Gepflogenheiten in anderen Ländern allerdings meistens so oder so kein Freund von Aktien. Wer es sich erlauben kann, sei es durch entsprechendes Eigenkapital oder durch eine gute Bonitätsnote ein entsprechendes Darlehen bekommen kann, investiert in Immobilien. Ich bin selber jahrelang in der Branche tätig, habe jedoch Preissteigerungen im Immobiliensektor, wie sie zurzeit in einigen Regionen der Republik zu verzeichnen sind noch nicht erlebt und an dieser Stelle auch mehrmals darüber geschrieben.

Aber nicht nur Flossbach macht sich Sorgen, andere sind auch wach geworden. „Angst vor der Immobilienblase,“ lautet die Überschrift eines Beitrages des Handelsblattes vom 18.5.2016. „Das Finanzministerium will einen Gesetzesentwurf vorlegen, der der Finanzaufsicht neue Eingriffsmöglichkeiten im Markt der Immobilienfinanzierung einräumt,“ so die Zeitung weiter. Offenbar denkt die Regierung zurück an die Vorgänge in den Jahren 2007 und 2008, als in den USA die Immobilienblase platzte und in der Folge das Welfinanzsystem fast zum Einsturz brachte. Fast jeder erinnert sich noch daran als Bundeskanzlerin Merkel und der damalige Finanzminister Steinbrück vor die Kameras traten und erklärten: „Die Spareinlagen der Deutschen sind sicher.“ Für andere Geldanlagen galt diese Garantieerklärung der Bundesregierung jedoch nicht. So genannte Derivate und Zertifikate, die von fast allen Sparkassen und Banken verkauft worden waren, verloren einen Großteil ihres Wertes bis hin zum Totalausfall. Tausende kleiner und mittlerer Anleger verloren ihr komplettes Vermögen. Sie hatten auf die Garantien der Emittenten vertraut, und davon waren in der Krise nun selber sehr viele insolvent.

Aber zurück zur aktuellen Situation am deutschen Immobilienmarkt. Am 7.5.2016 war in der FAZ zu lesen: „Die Sorgen über eine Immobilienblase in Deutschland nehmen zu. Nach der Bundesbank, die in Ihrem Februar-Monatsbericht über eine deutliche Überbewertung von Immobilien in deutschen Großstädten berichtet hatte, haben jetzt auch das Immobilienforschungsinstitut Empirica und das Frankfurter Bankhaus Metzler auf Risiken hingewiesen. Metzler schreibt in seinem Marktausblick sogar, die Immobilienblase gefährde die Stabilität Deutschlands.“ Im weiteren Verlauf des lesenswerten Beitrages wird darauf hingewiesen, dass die wesentliche Gefährdung von einer Überfinanzierung von Immobilien Projekten ausgehen. Manch eine Immobilie wird ohne jegliches Eigenkapital mit 110 % des aktuellen Wertes beliehen, man hofft auf weitere Preissteigerungen am Markt. Aber was ist, wenn es plötzlich keine Preissteigerungen ergibt oder gar das Gegenteil eintritt? Nun endlich scheint das Bundesaufsichtsamt für das Finanzdienstleistungswesen (BaFIn) tätig werden zu wollen. Man plant Finanzierungsexzesse zu untersagen, um die Gefährdung der Existenz von Kreditinszituten zu minimieren.

Ich persönlich bin keine Hellseherin und kann Ihnen daher nicht sagen, wie lange der bislang ungebremste Immobilienboom weitergehen wird.

Der Erwerber einer Immobilie kann auch in der aktuellen Situation sinnvoll sein. Wenn die Voraussetzungen stimmen. Der Preis muss in Relation zu dem aktuellen oder realistisch zu erwartenden Mietzins in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Bei Eigennutzung sollte ein erkennbarer Vorteil zu dem aktuell an einen Vermieter zu entrichtenden Mietzins darstellbar sein. Und am wichtigsten: Bei einer Fremdfinanzierung sollte der potentielle Käufer ausreichendes Eigenkapital einbringen. Je mehr desto besser. Wer diese Grundregeln beachtet, dürfte auch in Krisenzeiten ohne ernsthafte Blessuren davon kommen. Denn eines ist sicher: Wohnraum wird immer gebraucht.

Haben Sie Fragen, rufen Sie einfach an oder schicken Sie eine Mail. Ein gutes und diesmal etwas sonniges Wochenende wünscht Ihnen

Herzlichst
ihre Jaqueline Hartmann

2016-11-17T22:51:25+00:00 20. Mai 2016|