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„Immer mehr Läden am Kudamm müssen schließen,“

so die Überschrift eines Beitrags der BZ in dieser Woche. „Die Mieten liegen bei 300 € pro Quadratmeter . 50 Geschäftsaufgaben pro Jahr. Da haben die Traditionshäuser kaum noch eine Chance.“ Schreibt die Autorin Leonie Bruns. So wurde bereits Ende letzten Jahres das Maredo geschlossen, Teil einer Restaurantkette, in deren Filialen auch ein Normalverdiener zu moderatem Preis ein saftiges Steak verzehren konnte. Bei einer Verlängerung des des Vertrages wären die Mietpreise so stark angestiegen, dass unser Konzept sich nicht mehr gelohnt hätte, bedauert die Geschäftsführung der Maredo-Gruppe. Der gesamte Kudamm scheint sich in Richtung Luxusmeile zu verändern. In etwa einem Jahr wird das 110 m hohe Upper West fertig gestellt sein, ebenso wie der Umbau des Kranzler-Ecks. Die AG-Kudamm legt offenbar ihr Augenmerk überwiegend auf die Abschöpfung der Kaufkraft besonders einkommensstarker Personengruppen aus dem In-und Ausland. So verändert Schritt für Schritt der Kurfürstendamm seinen Charakter, schon seit Vorkriegszeit ein Symbol für die Vielfalt des Berliner Lebens. Kurz-und mittelfristig kommt vielleicht mehr Geld in die Stadt. Was der Berliner Normalbürger dazu sagt spielt dabei weniger eine Rolle. Möglicherweise ist aber auch dieser „Normalbürger“ in einigen Teilen der Bundeshauptstadt überhaupt nicht mehr vorhanden oder zumindest vom Aussterben bedroht. Warum soll es in Berlin anders sein als im Zentrum von Paris oder in der City auf London? Jeder Leser sollte selbst entscheiden, was er von derartigen Entwicklungen hält.

In der vergangenen Woche habe ich von der Initiative zur Einführung eines Grundeinkommens in der Schweiz berichtet. Erwartungsgemäß ist die Volksabstimmung gescheitert. Aber was heißt hier gescheitert. Immerhin haben in der konservativen Schweiz fast ein Viertel der Bürger für ein bedingungsloses Grundeinkommen abgestimmt. Ich finde das ist ein Erfolg. Die Diskussion ist in Gang gekommen und wird weiter gehen.

Am Donnerstag hat in Dresden die diesjährige Tagung der so genannten Bilderberg-Gruppe begonnen. Ein hoch exklusiver Zirkel der Reichen und Mächtigen dieser Welt traff sich von Donnerstag bis Sonntag zu Gesprächen. Die Bilderberger unterhalten sich bei ihren exklusiven Treffen lediglich, Entscheidungen werden keine gefällt. Protokolle gibt es nicht, geschweige denn öffentliche Aufzeichnung in Bild oder in Ton.

Wer im jeweiligen Jahr dabei sein durfte erfährt man, wenn überhaupt, meistens erst nachher. Bekannt geworden ist, dass in diesem Jahr diesmal Wolfgang Schäuble sowie der Vorstand der Deutschen Bank geladen wurden. 130 Personen sollen es insgesamt sein, darunter etliche US-Senatoren, die üblichen hochrangigen Militärs, einflussreiche Zeitungsverleger und die Rüstungsindustrie fehlt auch nicht. Airbus, der siebtgrößte Rüstungskonzern der Welt sponsert gar die gesamte Veranstaltung.

Die Bilderberger sieht manch einer als eine Art geheime Weltregierung an. Das sind Sie sicherlich nicht, dafür gibt es andere wesentlich einflussreichere Denkfabriken überwiegend in den USA angesiedelt. In diesen Denkfabriken werden konkrete Zielvorgaben erarbeitet, welche meistens auch nach und nach konkret umgesetzt werden.

Ein ganz spezielle Thematik, die zu anderer Zeit unbedingt thematisiert werden muss.

Die Bilderberger dagegen scheinen mehr oder weniger Stimmungen auszuloten. Alte Kontakte werden gepflegt ebenso wie neue hergestellt werden. Wer als so genannter „Neuer“ zum jährlichen Treffen geladen wird, hat bei Eignung möglicherweise die Chance zu anderen konkreteren Gesprächsrunden hinzugezogen zu werden. Über derartige Gesprächsrunden sickert dann tatsächlich fast überhaupt nichts mehr an die Öffentlichkeit durch.

Eines der Hauptthemen beim diesjährigen Jahrestreffen in Dresden soll das Problem der zunehmenden Prekariatisierung der Gesellschafft sowie das stetige Schwinden des Mittelstandes sein. So steht es zumindest in dem ein oder anderen Bericht der so genannten Qualitätsmedien Mich persönlich würde interessieren, ob ein Mitglied des Prekariats in Dresden vielleicht als Fachreferent eingeladen wurde.

Es soll mittlerweile auch hoch intelligente Leute geben, welche prekär leben müssen und dennoch interessante Lösungsvorschläge zur gesellschaftlichen Fortentwicklung erarbeitet haben.
Ein gutes Wochenende wünscht Ihnen

Herzlichst
ihre
Jaqueline Hartmann

2016-11-17T22:48:46+00:00 10. Juni 2016|