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Immobilien-und andere Blasen

Die Preisentwicklung am Immobilienmarkt war an dieser Stelle schon häufig ein Thema. Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Instituts Empirica schlug nun deutlich Alarm.

Regional wurde von einem sogenannten Rückschlagspotenzial von 50 % und teilweise sogar mehr gesprochen. Besonders betroffen von den weiter anhaltenden ungebremsten Preissteigerungen sind Großstädte, beispielsweise München, Hamburg und die Bundeshauptstadt Berlin. Insbesondere seien die Preise für manche Eigentumswohnung besonders unter Rentabilitätsaspekten weit überhöht. Ein Rückschlagspotenzial entsteht wenn eine Preisblase platzt. Von einer Blase am Immobilienmarkt zu sprechen fällt jedoch manchem Fachvertretern immer noch schwer.

Blasenartige Preissteigerungen sind auch in Segmenten der Aktienmärkte, sogar im Kunsthandel oder auch in Preisspekulationen um spezielle Oldtimer Typen zu beobachten.

Die Vermögenspositionen weltweit aber auch hier im Lande sind extrem ungleich verteilt und diese Ungleichgewichtung nimmt stetig zu. Unternehmen, welche üblicherweise aus ihren Gewinnen Investitionen vornehmen, halten sich zurück. Deshalb werden auch zu wenig Kredite nachgefragt, ein Grund für das niedrige Zinsniveau. Der Staat fällt als Investor im gebotenen Maße ebenfalls aus. Die viel gepriesene sogenannte schwarze Null wird wie eine Monstranz der besonderen Art hochgehalten und verehrt.

Es wird mit einer Überzeugung, welche ans religiöse grenzt, an einer Wirtschaftstheorie festgehalten, welche in Modellen gut, aber in der Realität überhaupt nicht funktioniert. Diese angebotsorientierte Wirtschaftstheorie, böse Menschen nennen es auch Neoliberalismus, wird hierzulande auch von den meisten maßgeblichen Lehrstuhlinhaber an der Volkswirtschaftskunde vertreten und als quasi alternativlos an die Studierenden weitergegeben.

So bilden sich Vermögens-/Geldtürme ungeahnten Ausmaßes und suchen ihren Platz als Anlagemöglichkeit.

Aufgeblähte Finanzmärkte, Preisexzesse am Immobilienmarkt und anderswo erfüllen somit eine fragile, aber in jedem Fall zeitlich begrenzte Pufferfunktion.

Nur ganz langsam und meistens von sogenannten Außenseitern sind öffentlich Zweifel zu hören, dass fast alle bislang gehegten Wirtschaftstheorien der globalen Situation des kapitalistischen Systems kaum mehr gerecht werden. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Artikel in der Wirtschaftswoche vom 6.2.2017. Anhand des weit verbreiteten Standardlehrbuches eines der einflussreichsten Wirtschaftswissenschaftler der Gegenwart, des Harvard- Professors N.Gregory Mankiv, kritisiert der Autor Frank Niessen die herrschende Volkswirtschaftslehre insgesamt. Zitat aus der Wirtschaftswoche: „Dass in Lehrsätzen wie diesen mehr Ideologie als Wissenschaft steckt, leuchtet beim genauen hinsehen selbst dem Laien ein. Die Behauptung zum Beispiel, dass die Einkommen der Reichen eine Entlohnung für harte Arbeit darstellen, verspottet alle ernst gemeinten Versuche, die Unterschiede zwischen Arm und Reich wissenschaftlich und korrekt empirisch überprüfbar zu erklären. Auch Jeansnäherinnen in Bangladesch und Minenarbeiter in Südafrika schuften unermüdlich, kommen aber auf keinen grünen Zweig. Denn hohe Arbeitseinkommen erzielt man in einem Marktsystem eben nicht durch harte Arbeit sondern durch knappe Arbeit. Das was man tut, muss stark nachgefragt sein und zugleich nicht von vielen anderen angeboten worden. Eine Korrelation mit harter Arbeit ist dabei durchaus möglich, aber keineswegs zwingend. Dass reiche Menschen in der Regel auch leistungslose Besitzeinkünfte wie Dividenden, Zinsen oder Mieten erzielen lässt Mankiv an dieser Stelle unerwähnt.“

Der gesamte Artikel in der Wirtschaftsbosse ist sehr lesenswert und für ein etabliertes Wirtschaftsmagazin ungewöhnlich kritisch.

Systemimmanent gedacht könnte für eine geraume Zeit den Theorien von John Maynard Keynes gefolgt werden. Der bekannte Ökonom Heiner Flassbeck beispielsweise ist ein überzeugter Keynsianer.

Die Wirtschaftstheorie von Keynes – vereinfacht dargestellt – sieht vor, in Zeiten einer Wirtschaftskrise gezielte Eingriffe auch von staatlicher Seite vorzunehmen. Keynes setzt darauf, dass erhöhte Nachfrage die Wirtschaft angekurbelt. Konkret müsste beispielsweise eine drastische Erhöhung der Staatstätigkeit im Bereich der Investitionen in Infrastruktur etc. vorgenommen werden und zusätzlich durch Beförderung massiver Lohnerhöhungen im unteren und ganz unteren Einkommensbereich , um damit insgesamt einen starken spürbaren Nachfrageüberhang zu erzeugen. Erhöhtes Wirtschaftswachstum insgesamt wäre die Folge. Der US Präsident Roosevelt setzte seinerzeit nach der Weltwirtschaftskrise der zwanziger Jahre gegen viele Widerstände erfolgreich von Keynes vorgeschlagene Maßnahmen ein.

Hierzulande möchte man jedoch politisch nichts grundlegendes verändern, sondern mit Flickschusterei lieber weiter wurschteln.

Stattdessen werden Sprüche geklopft. Von Bedrohungen ist die Rede, der Rüstungsetat muss erhöht werden am besten gleich noch eine deutsche Atombombe hinzu. Das ist gegen die Bedrohung von außen. Von innen werden wir bedroht durch eine unzählige Menge von Islamisten, welche tagtäglich einen neuen schrecklichen Anschlag planen, welcher aber meistens so gerade eben noch verhindert werden konnte. Dabei dürften die zukünftigen Probleme überwiegend im ökonomischen Bereich liegen.

Die große Systemkrise aus dem Jahre 2008 ist noch lange nicht überwunden, manch einer hat den Eindruck, Krise beginnt im Moment gerade erst richtig mit allen damit verbundenen politischen und sozialen Verwerfungen. Die EU und damit auch der Euro stehen nun tatsächlich kurz vor dem Aus. Großbritannien verlässt die Gemeinschaft, womit auch keiner gerechnet hatte. Die innere Ordnung vieler Staaten in Europa ist auf das stärkste erschüttert. Geopolitisch zieht die Volksrepublik China langsam aber sicher ökonomisch an den USA vorbei. Neue Staatenbündnisse werden diskutiert. Oft wurden hier die Stellvertreterkriege im Nahen Osten erwähnt, ich verzichte hier bewusst darauf.

Kann es vielleicht sein, dass das kapitalistische System, so wie wir es zu kennen meinten, insgesamt langsam aber sicher auf sein Ende zusteuert?

Wie will man denn tatsächlich damit umgehen, wenn man nun allerorten Elektroautos propagiert, die Wertschöpfungskette bei einem Elektromotor jedoch nur 16 % eines Verbrennungsmotors beträgt? Was ist mit den Menschen, welche in den nächsten 10-15 Jahren durch weitere Automatisierung im Verkehr, in der Logistik, in der Verwaltung, oder selbst in anspruchsvollen Berufen wie Anwälten Steuerberatern, Bankmanagern usw. weg rationalisiert werden?

Die Politik und ebenso die Leitmedien produzieren gegenwärtig wenig mehr als eine einzig große Sprechblase. Putin, Trump, Islamismus – je nach Couleur, die größten Bedrohungen für die Menschheit. Ansonsten weiter mit dem Motto:

Wird schon alles irgendwie gut gehen.

Kann es aber nicht.

So nicht.

Ein gutes Wochenende wünscht Ihnen

Herzlichst
ihre Jacqueline Hartmann

2017-03-04T16:16:09+00:00 3. März 2017|