Startseite » Notizen aus einem fernen Land

Notizen aus einem fernen Land

Am 8.11.2016 wählen die vereinigten Staaten von Amerika ihren neuen Präsidenten.

Die USA liegen jenseits des atlantischen Ozeans weit weg von uns. Was schert uns das, wen oder was die Bevölkerung dort zu ihrem Präsidenten gewählt?

Das Getöse um die US-Präsidentenwahl erreicht jedoch auch uns täglich über unsere eigenen Medien. Mehrheitlich scheint der Mainstreamjournalismus der BRD auf Seiten der als liberal geltenden Hillary Clinton zu stehen.

Näher betrachtet ist dieser US Wahlkampf zu einer beispiellosen Schlammschlacht geworden. Beide Kandidaten werfen sich gegenseitig Ungeheuerlichkeiten vor. Die Rede ist von Korruption, Sexaffären, verschwundenen oder gelöschten E-Mails. Gegen die Kandidatin Clinton ermittelt sogar zur Zeit das FBI wegen Geheimnisverrats. Ein Wahlkampf in derartiger Schärfe, erscheint uns hierzulande undenkbar, manche eine Episode erinnert an eine schlecht gemachte Hollywood Komödie.

In einem TV Duell, erklärte der Kandidat Trump zur Kandidatin Clinton gewandt, wenn er, Trump an der Macht sei, würde er sie, ins Gefängnis werfen lassen.

Wenn die Art dieses Wahlkampfs für eines gut ist, dann zumindest dafür, die Erkenntnis zu fördern, wie unterschiedlich die Sitten und Gebräuche in die Vereinigten Staaten von Amerika bezogen im Verhältnis zu dem sind, was wir im sogenannten alten Europa gewöhnt sind.

Und dennoch zählen wir die USA zu unseren besten Freunden. Die wirtschaftliche , aber auch die militärische Verflechtung zu dem Land jenseits des Atlantik mit der Bundesrepublik Deutschland sind stärker als zu jedem anderen Staat der Erde. Aber ein wenig erinnert diese Anbindung gelegentlich an das Verhältnis zwischen Herrchen und Hund.

In jedem Falle ist die Wahl eines neuen US Präsidenten für die Bürger der Bundesrepublik von sehr großer Bedeutung. Und diese Wahl am 8.11.2016 in ganz besonderem Maße, weil die Polarisierung der tief gespaltenen USA sich in den beiden Kandidaten ziemlich exakt widerspiegelt.

Donald Trump, der mehrfache Milliardär, auch in der eigenen Partei nicht unumstritten, tritt für die Republikaner an. Hillary Clinton, die erste Frau, welche sich um eine Präsidentschaft der USA bewährt wurde von der Demokratischen Partei nominiert.

„Ich fürchte Gewalt nach der Wahl,“ so betitelt das Magazin Spiegel ein Interview vom 2.11.2016 mit dem Trump Biografen David Kay Jonhston,

„Trump hat keinen moralischen Kern. Es ist der wichtigste und zerstörerischte Aspekt seiner Person. Es offenbart eine zutiefst verdorbene Psyche, „so zitiert das Blatt den Mister Johnson, welcher als Biograf möglicherweise vieles über Trump zu sagen weiß.

Dass Trump, wenn er eine Rede hält keinerlei Tabus kennt, sich jenseits jeglicher Political Korrektnis bewegt ist bekannt. Ebenfalls dürften seine geschäftlichen Erfolge ohne das notwendige Maß an Härte und Brutalität nicht machbar gewesen sein. Niemand wird mal so ganz nebenbei zum Multimilliardär. Die Geschäfte des Donald Trump sind vielfältig, aber im Bereich der Rüstungsindustrie scheint er bislang seine Milliarden nicht verdient zu haben.

„Das führt an die Schwelle des dritten Weltkrieges, „so die Überschrift eines breit angelegten Artikels vom 21.10.2016 in der Basler Zeitung aus der Schweiz.

Hier ist von Frau Clinton die Rede und den von Clinton vertretenen strategischen Planungen, welche weit über das Territorium der Vereinigten Staaten hinaus greifen.

Das Hillary Clinton korrupt sei und ihre Millionen (zu 1 Milliarde hat es offenbar noch nicht ganz gereicht) vorwiegend amerikanischen Großbanken und dem sogenannten militärischindustriellen Komplex verdankt, behaupten viele ihrer Gegner. Jeder möge sich durch eigene Recherche sein Bild machen.

Man sagt Frau Clinton nach, dass sie schon immer einen starken Einfluss auf ihren Ehemann Bill gehabt habe. Bill Clinton war der US Präsident der Neunzigerjahre. Manche sahen in dem Paar Hillary und Bill Lichtgestalten einer neuen US-amerikanischen Ära. Jung, unverbraucht und liberal so war anfangs das Image des frisch gewählten Präsidenten Ehepaars Clinton. Manch einer erinnert sich an den Präsidenten Bill Clinton nur nochwegen seiner Sexaffären und öffentlich diskutierter Spermaspuren an seiner Anzugjacke. Ein völlig anderer, auch fast vergessener Tatbestand sollte die Bürger der Bundesrepublik allerdings nachdenklich werden lassen:

Ende der Neunzigerjahre, in der Amtszeit von Bill Clinton, wurde die Bundesrepublik Deutschland unter Federführung der USA erstmalig zu einer aktiven Beteiligung an einem völkerrechtswidrigen Krieg genötigt. Ich meine den ohne ein UN-Mandat geführten militärischen Überfall auf die damalige Bundesrepublik Jugoslawien.

Ausgerechnet der Sozialdemokrat Gerhard Schröder und sein grüner Außenminister Joschka Fischer, sowie der Verteidigungsminister Rudolf Scharping tragen als Repräsentanten der Bundesregierung hierfür ihre eigene politische und denkbare rechtliche Verantwortung.

Bills Ehefrau Hillary, ist nicht weniger kriegerisch. Sie war einige Jahre Außenministerin des noch amtierenden Präsidenten Obama. Während ihrer Amtszeit als Ministerin hatte Hillary Clinton maßgebliche Verantwortung dafür, dass Libyen in Schutt und Asche gelegt wurde. Ebenso spielte Clinton in ihrer Funktion als Außenministerin eine delikate Rolle im Rahmen der Aufheizung des sogenannten Bürgerkriegs in Syrien. Mittlerweile ist der Konflikt, welcher sich in Syrien abspielt zu einem gegenseitigen Massenmord geworden.

Im oben erwähnte Beitrag in der Basler Zeitung wird hervorgehoben, wie stark Frau Clinton mit der Denkfabrik „Center for a New American Security (CNAS)“ verwoben ist. Die Konzeption des CNAS setzt auf Verstärkung des US amerikanischen Einflusses weltweit durch Erweiterung des militärischen Machtpotenzials und gegebenenfalls auch weiterer Militäreinsätze. Ganz nebenbei zitiert das Blatt auch Hillary Clinton persönlich: „Wenn ich Präsidentin bin, werden wir den Iran angreifen, der eine existenzielle Bedrohung für Israel darstellt.“ Liest man den Artikel in der Schweizer Zeitung komplett durch, so kann einem als Bürger Bundesbürger ein wenig schwindelig werden.

Ein letztes Zitat aus der Basler Zeitung welches auf Nachfrage die Antwort des Militärexperten Günter Meyer wiedergibt:

„Die weltpolitischen Spannungen werden sich in einem Maße verschärfen, dass alles in den Schatten stellt, was wir seit Ende des kalten Krieges erlebt haben. Diese Richtschnur für die US Außenpolitik, die vor allem auf die militärische Überlegenheit der USA setzt und ein beispielloses Wettrüsten nach sich ziehen wird, führt an die Schwelle des dritten Weltkrieges bzw. des ersten Nuklearkrieges. Hoffnung auf ein Ende des Mordens in Syrien und eine Beilegung des dortigen Stellvertreterkrieges sind ebenso vergeblich wie die Erwartung einer friedlichen Entwicklung in der Golfregion.“

Ich enthalte mich jeglichen Kommentars, hoffe allerdings, dass sich Europa an der Umsetzung derartiger Planungen nicht beteiligt. Schon jetzt, ohne dass Frau Clinton überhaupt Präsidentin ist, scheint bereits jetzt ein Zug in Bewegung zu sein, welcher nur schwer wieder zu stoppen ist. Täglich kann man in der Zeitung Berichte lesen, dass ganze Bataillone der Bundeswehr in die baltischen Staaten verlegt werden, direkt an die Grenze zur russischen Föderation.

Die Frage sei erlaubt, ob in Zeiten sich weiter verstärkender geopolitischer Spannungen ein proletenhaft auftretender US Präsident Trump, welcher sich mehr auf die US-Innenpolitik konzentrieren möchte und explizit das außenpolitische Engagement der USA reduzieren will, nicht unseren eigenen Interessen förderlicher sein könnte. Auch könnten wir dann unabhängiger von den USA in Europa neue Konzepte für ein friedliches Zusammenleben der Völker erarbeiten und und umsetzen.

Eine partielle Abschaffung der Schwulen-Ehe in den USA durch Trump oder die (noch-) Weigerung des russischen Präsidenten Putin, CSD-Veranstaltungen in Moskau oder Petersburg zu dulden, sollten keinerlei kriegerische Auseinandersetzungen rechtfertigen.

Ein gutes Wochenende wünscht Ihnen

Herzlichst
ihre Jaqueline Hartmann

2016-11-17T22:30:57+00:00