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Notizen vom Immobilienmarkt

Intro
„Deutsches Ehepaar muss im Flüchtlingscontainer leben. „So die Überschrift eines Artikels von Welt online, der vor einigen Tagen im Netz zu lesen war. „13 m² im Halbdunkeln, zwei Feldbetten, gestapelte Umzugskartons mit Klamotten, zwei graue Stahlspinde, drei Stühle und ein kleiner Tisch auf dem Tassen, ein Radio sowie eine Dose mit Zigaretten stehen.“

Die Stadt Bonn habe aus Mangel an Sozialwohnungen einem Ehepaar ein Zimmer in einer Asylunterkunft zugewiesen, um eine drohende Obdachlosigkeit zu vermeiden. Ein Extremfall? Sicherlich. Aber wie viele derartiger Extremfälle gibt es bereits heute und wie viele wird es zukünftig noch geben?

„Berlin vergisst die Obdachlosen.“ So beginnt ein Gastbeitrag von Bilal al Dumanni im Berliner Tagesspiegel vom 20.10.2016. Der Autor, syrischer Flüchtling, wundert sich: „Ich habe mich immer gefragt, warum Flüchtlingen offenbar eine bessere Versorgung zukommt als Obdachlosen. Essen, Kleidung, Betten – warum bekommen das diese Leute nicht? – Die großen Städte wie Chicago, London und Paris haben auch viele Obdachlose – aber aus meiner Sicht hat Deutschland viel mehr Erfahrung mit Menschen, die Sicherheit suchen. Doch warum gibt es dann so viele Obdachlose?“ Der Syrer al Dumanni ist erstaunt, warum der deutsche Staat so vieles für die Integration von Ausländern aufwendet, aber für die eigenen Obdachlosen wenig übrig hat.

Ich weiß, dass bei manch einem Menschen, welcher jahrelang auf der Straße gelebt hat, häufig eine Integration nicht mehr möglich bzw. auch nicht gewollt ist. Aber ist das immer so? Laut statistischen Erhebungen, werden in unserem reichen Land jährlich mehr und mehr Menschen obdachlos. Ihre Zahl geht mittlerweile in die Zigtausende.

Themenwechsel

„Immobilienpreise steigen stärker als in den Vorjahren, „so die Frankfurter Allgemeine am 18.10.2016

Der Preisanstieg bei Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern habe sich im zweiten und dritten Quartal 2016 verglichen mit dem Vorjahreszeitraum noch beschleunigt, teilte der Immobilienverband e.V. am vergangenen Dienstag in Frankfurt mit. Laut dem Wohnpreis-Spiegel des Verbandes verteuerten sich Eigentumswohnungen im Bestand mit mittlerem Wohnwert um gut 6 % gegenüber dem Vorjahr.

Spitzenreiter bei den Preissteigerungen bezüglich Eigentumswohnungen ist dieses Mal Frankfurt am Main mit ca. 18 % gefolgt von Köln über Hamburg, München und Berlin mit 5,41 %.

Man bedenke, dass in einigen der genannten Städte das Preisniveau schon im Vorjahr als überhöht galt.

„Wenn die Preise in den Himmel wachsen, „mit dieser Überschrift befasst sich das Handelsblatt in der letzten Woche ebenfalls mit dem Thema.

„15.000 € mehr für 1 m²: Häuser und Wohnungen, so scheint es, werden gekauft egal was sie kosten. Bildet sich auf dem deutschen Immobilienmarkt eine Blase? Experten sind besorgt“, fährt das Wirtschaftsblatt fort.

Meine eigenen Beobachtungen im Rahmen meiner Maklertätigkeit in Berlin bestätigen die wesentlichen die oben wiedergegebenen Aussagen. Mietpreisbremse hin oder her, auch der Mietzins steigt. Allerdings nicht im gleichen Verhältnis wie die Investitionskosten beim Immobilienerwerb. So ist mancher Neubesitzer einer Immobilie froh, wenn die laufenden Kosten gedeckt sind, der eine oder andere erzielt im Moment sogar eine Negativrendite. Und das alles trotz eines noch nie da gewesenen extrem niedrigen Zinsniveau am Kapitalmarkt. Viele Erwerber spekulieren darauf, dass irgendwann einmal auch die Mieten nachziehen werden. Tatsächlich könnte diese Erwartungshaltung noch das ein oder andere Jahr greifen.

In der Vergangenheit ist die Rechnung in der Regel aufgegangen. Aber was bringt die Zukunft?

Eine Immobilie ist eine Langfristinvestition , Renditeberechnung beziehen üblicherweise einen Zeitraum von 20-30 Jahren ein. Mieter aber auch Eigennutzer einer Eigentumswohnung gehen regelmäßig einer bezahlten Tätigkeit nach. Doch gibt es sie, die Arbeitsstellen mit entsprechender Entlohnung, welche den Mieter in die Lage versetzt weniger angemessenen Mietzins zu zahlen. Personen, welche lediglich als sogenannte Privatiers ihren Lebensunterhalt aus Kapitalerträgen gleich welcher Art beziehen, sind in diesem Segment ebenso dünn gesät wie auch an anderen gesellschaftlichen Bereichen.

Ich habe schon mehrmals in dieser Rubrik auf die Problematik hingewiesen welche unter dem Stichwort Industrie 4.0 die im Rahmen von Automatisierung/Digitalisierung in den kommenden Jahren eine radikale Veränderung unserer Arbeitswelt bringen werden. Ob wir das nun wollen oder nicht oder nicht. Im Rahmen der digitalen Revolution werden nicht nur die schon jetzt schlecht bezahlten Routinejobs als Lagerarbeiter oder Staplerfahrer wegfallen, Schritt für Schritt werden mehr und mehr Bereiche der Gesellschaft erfasst. Man kann davon ausgehen, dass es sind 10-15 Jahren keine Taxifahrer, Fernfahrer Busfahrer Straßenbahnfahrer, Lokführer etc. mehr geben wird. Aber auch andere Bereiche der Arbeitswelt bleiben nicht verschont. Seien es die Mitarbeiter in Banken und Sparkassen, Buchhalter auch in leitenden Funktionen, Steuerberater, das Brot und Butter so manches Rechtsanwaltes, die sogenannten Routinefälle, alles das und noch viel mehr wird digitalisiert werden und automatisiert werden. Die Digitalisierung/Automatisierung hat eine derartige Geschwindigkeit erreicht (und diese Geschwindigkeit wird sich noch beschleunigen), dass eine bislang als üblich geglaubte Kompensierung durch ein adäquates Wirtschaftswachstum denkunmöglich erscheint. Die Automatisierung/Digitalisierung verläuft in einer Exponenzialkurve. Wer mir nicht glauben möchte sollte nur einmal unter dem Stichwort „Gerd Leonhard „googeln, dort sind alle wissenschaftlich relevanten Fakten gut zusammengefasst. Häufig auf Englisch aber manche Vorträge auch in deutscher Sprache. Die Revolution in der Arbeitswelt welche uns erwartet wird im Gegensatz zu früheren Zeiten mehr Jobs kosten, als sie neue erschaffen wird.

Wer zahlt dann die Mieten für die Wohnungen oder die Raten für die aufgenommenen Kredite?

Ohne einen komplett neuen Gesellschaftsvertrag könnte das Leben auch in einem reichen Land wie der Bundesrepublik für sehr viele ungemütlich werden. Aber das muss nicht sein, beginnt man früh genug mit der notwendigen Diskussion, so dürfte eine Reduzierung des Einsatzes menschlicher Lohnarbeit nichts schlechtes sein.

Stichworte beispielsweise: Drastische Reduzierung der Arbeitszeit bei gleichem Lohn oder ein sogenanntes Grundeinkommen.

Sicherheitshalber empfehle ich jedem Investor in einem Immobilienobjekt mit vergleichsweise hohem Preisniveau eine höhere Eigenkapitalquote einzusetzen als bislang eingefordert wurde. Verfügen Sie über beispielsweise 50 % Eigenkapital oder mehr, dürften sie in den Metropolen bei einem Objekt im mittleren Preissegment auf der sicheren Seite sein. (Zum Thema Industrie 4.0 folgt in Kürze in dieser Rubrik ein ausführlicher Beitrag)

Wer nun meint, eine Immobilieninvestition in Großstädten oder gar Metropolen sei zu teuer oder zu risikoreich, für den gibt es durchaus Alternativen.

Zwar sind auch in kleineren Städten und ländlichen Regionen die Immobilienpreise gestiegen, aber nicht wie in dem oben dargestellten Maße. Auch lag und nicht das Ausgangsniveau wesentlich geringer. Man sollte auch nicht den Osten Deutschlands vergessen, gut recherchiert und beraten lässt sich hier immer ein Objekt finden, welches jetzt und zukünftig eine ausreichende Mietrendite erzielt. Die Abwanderung ist gestoppt. Und Raum zum angemessenen Wohnen brauchen alle Menschen im Lande jetzt und auch in der Zukunft.

Eine gutes Wochenende wünscht Ihnen Herzlichst
ihre Jaqueline Hartmann

PS: Nach Fertigstellung dieses Beitrages, war der Presse zu entnehmen, dass die Bundesregierung zeitnah einen Gesetzentwurf vorlegen wird, welcher durch eine verstärkte Kontrolle von Zins und Tilgung bei Wohnungskrediten versucht, die Bürger vor einer denkbaren Überschuldung zu schützen.

2016-11-17T22:26:11+00:00 28. Oktober 2016|