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Über das Verhältnis von Stadt und Land und was das Ganze künftig mit unserer Volkswirtschaft zu tun haben könnte.

Teil II.

Über Thüringen und Sachsen, die dort zu findenden landschaftlichen Reize und historisch kulturellen Schätze habe ich bereits in Teil eins geschrieben. Aber was für diese Regionen im Osten der Republik gilt für die Bundesrepublik als Ganzes. Deutschland. Schauen wir noch einmal ein wenig weg von den Großstädten. Jeder kennt die bayerischen Alpen, den Schwarzwald mit der berühmten Kirschtorte, die Nord und Ostsee mit ihren Badeorten und teilweise vorgelagerten Inselketten. Die dort komplett andere Esskultur mit ihren Spezialitäten aus Fisch-und Muschelgerichten. Nordrhein-Westfalen als künstlich geschaffenes Bundesland mit der historischen westfälischen Stadt Münster und dem danach benannten ländlichen Umland mit den vielen Wasserschlössern. Das Ruhrgebiet, welches sich gerade versucht neu zu erfinden, als die Region mit den ungezählten, mittlerweile stillgelegten Berg-und Stahlwerken. Das Rheinland mit den Oberzentren Köln und Düsseldorf hat wiederum einen völlig anderen Charakter. Ich kann und will nicht alles aufzählen, es würde zu viel werden.

Globalisierung oder die Neuverteilung der Instrumente an die Mitspieler im großen Weltorchester

Wenn wir die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg als historische Trennlinie nehmen hat sich die gesamte Erde in gerade mal 70 Jahren, erst langsam und dann immer schneller und zurzeit nochmals schneller verändert, wie in in den vorangegangenen 2000 Jahren vorher insgesamt nicht. Das gilt für die Gewichtung der Bevölkerungszahlen und gleichermaßen auch für die Ökonomie.

Ich erlaube mir aus dem Sachbuch Bestseller des Jahres 2005, „Der China Code“ von Frank Sieren eine Passage ungekürzt zu zitieren: „In dieser neuen Welt wird Deutschland seine Marktnische finden müssen.

Wie kann sie aussehen? Was kann man dem mächtigen China entgegensetzen? Strategen der amerikanischen Investment-Bank Morgan Stanley weisen den Weg Wachstum sollte nicht mehr der Fokus von Japan und Europa sein, befindet Asien-Chef Analyst Andy Xie. Sie sollten sich auf Lebensqualität konzentrieren. Wie kann Deutschland das umsetzen? Chancen gibt es immer. Stellen wir uns die Generation der jungen deutschen mit 50 vor. Sie leben in einer Mischung aus Freilichtmuseum, Freizeitpark Naturschutzgebiet und Club Med. Die Chinesen und ihre asiatischen Nachbarländern sind beste und gut zahlende Kunden, die sich in Deutschland von dem Tempo ihres seit über einer Generation andauernden Aufschwung erholen wollen. Sie sind so viele, dass Deutschland gut davon leben kann, sie sehnen sich nach Orten , die sich nicht ständig wandeln. Der Reformprozess in Deutschland, der zur Jahrhundertwende begann, war lange in einer verbissenen Debatte stecken geblieben. Erst nachdem Westdeutschland ebenso gründlich deindustrialisiert worden war wie zuvor der Osten, nachdem der Sozialstaat Konkurs angemeldet hatte und endlich klar war, dass man Autos und andere Maschinen nur noch in Asien bauen kann, ging es wieder bergauf. Die letzten Deutschen hatten eingesehen, dass Forschung und Entwicklung sich nur noch in hochspezialisierten Nischen lohnten, was zwar viel Geld, aber nur wenigen Arbeit brachte, und dass die schlanken deutschen Konzernzentralen Wachstum nur noch im Ausland schaffen. Die deutschen konzentrierten sich auf die Stärken, die ihnen keiner streitig machen kann: Ihre mittelalterlichen Städte ihre vielfältige Kultur und ihre schöne Natur. Die Wolfsburger VW-Autostadt wurde zum Prototyp einer modernen Konsumanlage. Die ehemaligen Arbeiter verdienen ihr Geld in nachgebauten Stadtlandschaften aus dem letzten Jahrhundert, durch die man mit den entsprechenden Autos jener Zeit fahren kann. Das New York der zwanziger, dass Deutschland der siebziger oder das Japan der Achtziger. Gangster Schießereien im Cadillac in New York werden ebenso täuschend echt nachgestellt wie Manta-Wettfahrten in Deutschland. In den Geschäften verkaufen Menschen in Originalkostümen Produkte aus alten Zeiten. Das Essen in den Restaurants entspricht historischen Rezepten, die Hotels ahmen die Vergangenheit nach. Die Deutschen widmen sich diesen Aufgaben mit der ihnen eigenen Selbstzweifler rischen Gründlichkeit und nahm es dabei wieder zur Weltspitze gebracht. Ihre historischen Erlebnisparks sind auf Monate ausgebucht, ebenso wie ihre Wälder und historischen Städte. 2050 kann sich niemand mehr vorstellen, dass es je Menschen gegeben hat, die für den Bau von Hochhäusern in München gestimmt haben. Hochhäuser brauchen die Deutschen nicht mehr, denn dafür hat Deutschland nicht genug Einwohner. Nur die pittoreske Frankfurter Skyline wurde erhalten. Sie wird von Chinesen, Menschen aus Malaysia und Thailändern mit der gleichen kindlichen Freude betrachtet, wie wir heute durch ein Eifeler Heimatdorf schlendern. Frankfurt ist niedlich gegenüber der 40 Millionen Metropole Shanghai. Deutschland ist zum beliebtesten Reiseziele von Millionen chinesischer Urlauber geworden. Deutschland, das sind die Märchenschlösser und den lustigen Tänze der Bari bajuwarichen Minderheit im Süden. Und Deutschland bedeutet auch, mit dem alten Transrapid im Emsland im Kreis zu fahren. Deutschland hat Rotschiefersteinberge am Rhein, bei Berlin ein Gruselkabinett der Nazi- Vergangenheit, Industrie Museen im Ruhrgebiet mit deutschen Maschinen, die nie kaputtgehen, die aber niemand mehr braucht; das Bier natürlich, Grünkohl und Kinkel, Beethovens Fünfte, den Kölner Dom, Bratwurst. Erlebnisse die mit deutscher Präzision auf die gehetzte Schanghaier Mittelschicht zugeschnitten sind. Schade nur, mag sich der Reisende dennoch sagen der vielleicht im mittleren Management bei China- Volkswagen in Shanghai arbeitet und sich ins deutsche Hinterland vorgearbeitet hat, dass es in Deutschland noch nicht überall aussieht wie in Rothenburg ob der Tauber, sondern dass manche gesichtslosen Mittelstädte sich mit kitschigen chinesischen Restaurants bei Ihren Gästen andienen wollen – wo bleibt denn da das authentisch deutsche, traditionelle dass der Reisende doch in der Fremde vor allem sucht? (Quelle: Sieren 2005, Seiten 357, 358,359)

Frank Sieren, der Chinakenner dürfte 2005 bewusst provoziert haben. Vieles, was Sieren seinerzeit über China geschrieben hat, ist eingetroffen, oder gar übertroffen worden. Sieren hat zwischenzeitlich weitere Bestseller über Asien aber neuerdings auch über Afrika geschrieben hat ist weiterhin Kolumnist beim Handelsblatt.

Was Sieren 2005 damals nicht direkt voraussehen konnte, war die große Krise 2008. Durch eine so genannte Abwrackprämie wurden gut funktionierende Autos in die Schrottpresse geschickt und ohne Sinn und Verstand neue gebaut und auch gekauft. Die deutsche Industrie wurde durch solche Maßnahmen und zunehmende Dumpinglöhne (durch geschickte Aufteilung in den Großkonzernen in Stammbelegschaften, diverse Subunternehmen bzw. Leiharbeiter) bis dato zum nicht geringen Teil künstlich am Leben erhalten. Durch die Zwangsjacke des Euro, nebenbei gesagt, geht die relative Stabilität Deutschlands auf Kosten fast aller anderen europäischen Staaten.

Ebenso hat er die Entwicklung im Nahen Osten nicht vorhersehen können, der Irak hat sich nach dem amerikanischen Überfall nicht stabilisiert, im Gegenteil es wurden andere Länder wie beispielsweise Libyen zerbombt und Syrien überwiegend von ausländischen Terrorbanden in einen jahrelangen Bürgerkrieg hineingezogen, welcher immer noch nicht zu Ende ist.

Ebenso war 2005 nur für eine ganz kleine Minderheit vorauszusehen, eine Welle von Migranten ein strömt Richtung Deutschland strömt, zurzeit überwiegend Kriegsflüchtlinge. Auch ist in diesem Buch von Sieren (es beschäftigt sich überwiegend mit China) nicht berücksichtigt, dass der afrikanische Kontinent zurzeit die bevölkerungsmäßig am schnellsten wachsende Region der Erde ist. Ebenso war im Jahre 2005 nur für wenige deutlich, wie rasant die so genannte Digitalisierung (Stichwort Industrie 4,0) voranschreiten würde. In Afrika oder aber im Nahen Osten haben Millionen Menschen zwar ein Smartphone aber kein Dach über dem Kopf. Ich möchte einmal guter Hoffnung sein, weil in zwei Tagen Ostern ist. Ich versuche mir vorzustellen, dass es in momentan noch durch Kriege oder Bürgerkriege destabilisierten Nahen Osten tatsächlich über kurz oder lang Frieden gibt. Ebenso hoffe ich, dass entgegen vieler Negativprognosen der afrikanische Kontinent seinen eigenen Weg findet und nicht jeder zweite Afrikaner versuchen muss in Europa sein Obdach zu finden. Ebenso versuche ich mir vorzustellen, dass es im kriegerischen Konflikt um die Ukraine eine für alle Beteiligten akzeptable Lösungen geben wird. Und auch ebenso versuche ich mir vorzustellen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika, wer auch immer dort im Herbst Präsident werden wird Abstand von Ihrem Anspruch nehmen, die einzig verbleibende Weltmacht zu sein.

Auch wenn es bei der gerade zu Ende gegangenen CeBIT 2016 unter anderem ausführlich die Möglichkeit der Erzeugung von virtuellen Welten dargestellt wurde, so bin ich dennoch überzeugt, dass für einige Jahrzehnte durch einen massiven Ausbau des Bereiches Bereich Tourismus oder anderer bewusst arbeitsaufwändig herzustellender Produkte (als Beispiel sei nur die berühmte Schweizer Uhr mit mechanischem Laufwerk genannt)eine ökonomisch relevante Zukunft haben kann. Doch befinden wir uns in einer Übergangsphase. Ich bin mit Thüringen und Sachsen im 1. Teil angefangen, weil ich dort persönlich engagiert bin und mich besonders gut auskenne. Ich weiß, dass dort und auch anderswo bereits jetzt viel für den Tourismus getan wird, aber es ist immer noch nicht genug. Das Bewusstsein für die zukünftige ganz besonderer Wichtigkeit dieses Sektors fehlt insbesondere bei manchen Landesregierungen. Man steckt sehr viel Geld in den Ausbau von Hochtechnologie, Wissenschaft und Forschung. Davon sollte man auf bestimmt nicht ablassen. Aber das dadurch dauerhaft durch Einsatz ihrer Arbeitskraft eine ausreichende Vielzahl von Menschen ihren Lebensunterhalt bestreiten können, das ist, man erlaube mir das Wort, eine Wahnvorstellung.

Wer heute als Tourist aus anderen Kontinenten der Erde nach Deutschland kommt, denkt tatsächlich heute regelmäßig an das multikulturelle Berlin, die Hafenstadt Hamburg oder an München, die Alpen und meistens steht auf dem Reiseplan auch noch Schloss Hohen Schwanstein und Rothenburg ob der Tauber. Bleibt dann noch Schloss Hohenschwanstein oder Rothenburg ob der Tauber.

Der von manchen Deutschen gelegentlich bereits jetzt als Ruheraum geschätzte ländliche Raum wird jedoch meistens immer noch als hinterwäldlerisch belächelt. Sollten die Hinterwäldler sich allerdings intelligent und gut strukturiert engagieren, so steigt die Lebensqualität dort, unter anderem getrieben durch eine stetig wachsende ökonomische Prosperität.

Ein gutes und besinnliches Osterfest wünscht Ihnen

Herzlichst
ihre Jaqueline Hartmann

2016-11-17T22:58:26+00:00 25. März 2016|