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Weihnachtsmarkt 2016

Die Temperaturen sind eher mäßig an Weihnachten 2016, und dennoch fröstelt mich.

Am 19.12.2016 hatte es ein Attentat auf einen der vielen Weihnachtsmärkte in der Bundesrepublik Deutschland gegeben. Das Ereignis selbst schockiert und macht betroffen. Die Reaktionen darauf sind’s, welche mir einen kalten Schauer über den Rücken laufen lassen. Glücklicherweise hatte der mutmaßliche Täter seine Papiere im Fahrzeug liegen gelassen: Ein Tunesier namens Anis Amri war offenbar der Fahrer.

„In Italien endet das Drama vom Terroranschlag auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz, bei dem Amri einen Lastwagen in eine Menschenmenge gelenkt haben soll. Mindestens zwölf Menschen starben dabei. Gestoppt haben ihn zwei 29 und 36 Jahre alte Polizisten, die nun nicht nur in Italien wie Helden gefeiert werden. – Die Berliner Polizei schreibt auf Twitter“Grazie“ – Innenminister de Maizière zeigt sich erleichtert nach der Ausschaltung Amris durch die beiden Polizisten,“ so konnte man auf der Internetseite vom ZDF am 23.12.2016 lesen.

„Wir müssen konstatieren, wir sind in einem Kriegszustand, obwohl das einige Leute, die immer nur das Gute sehen, nicht sehen möchten,“ hatte der amtierende Vorsitzende der Innenministerkonferenz Klaus Bouillon, Innenminister des Saarlandes, wenige Stunden nach dem Anschlag am 19.12.2016 in einem Rundfunkinterview erklärt

Die offizielle Debatte hat begonnen und an Schärfe zugenommen, obwohl das Wort Krieg bezüglich der Situation im Inland zur Zeit noch nicht jeder in den Mund nehmen möchte. Dennoch, von Verschärfung der Asylgesetzgebung, besserer Sicherung der Grenzen, schnellerer Abschiebung von Immigranten ist allenthalben die Rede. Manche Kommentierungen von“ besorgten“ Bürgern in den sogenannten sozialen Netzwerken machen sprachlos und können und sollen hier nicht wiedergegeben werden.

Kann eine derartige Spirale aus Hass und Gewalt bis hin zu Mord und Totschlag im In-und im Ausland jemals durchbrochen werden?

Die Repräsentanten des Staates versuchen es zumindest in ihren Teich das Weihnachtsansprachen.

Zweifellos befindet sich die Bundesrepublik Deutschland im Krieg. Ein Kalter Krieg wird geführt mit der russischen Föderation und ihrem Präsidenten Wladimir Putin.

Darüber hinaus ist die Bundesrepublik Deutschland direkt oder indirekt engagiert in einem heißen Krieg gegen all das, was üblicherweise mit dem Begriff Terror umschrieben wird. Sei es nun wie seit Jahren in Afghanistan oder neuerdings auch in Syrien. Mit der Bundesrepublik befreundete Länder des NATO Bündnisses haben durch Bombardierungen unter anderem des Irak und Libyens eine ganze Region in Schutt und Asche gelegt.

Zu den Zeiten der Weihnachtsmärkte bereiten sich die Christen auf die Feier der Geburt Jesu vor. Der 25. und 26. Dezember jeden Jahres sind in der Bundesrepublik Deutschland gesetzliche Feiertage – die offizielle Bezeichnung lautet immer noch Weihnachten und nicht Weihnachtsmarkt.

Mehr als die Hälfte aller Einwohner an der Bundesrepublik gehören auch heute immer noch einer der beiden großen christlichen Religionen an. Jesus Christus, in dieser Person vereinigt sich der Glaube an die Liebe, Frieden und die Gerechtigkeit für alle Menschen auf Erden. Die Erlösung von Schuld durch Jesus Christus feiern die Christen an anderen Tagen des Jahres. Ein Kernbereich der christlichen Lehre ist die Gleichwertigkeit allen menschlichen Lebens, unabhängig von Hautfarbe, Religion Herkunft, aber auch unabhängig davon in welchem Land der Erde diese Menschen jeweils ihren Wohnsitz haben. Dieser Grundsatz sollte insbesondere für zivile Gewaltopfer gelten.

„Negative I want you to strike direktly,“so lautete der Funkbefehl des Kommandeurs einer deutschen Bundeswehreinheit. Am 4. September 2009 gegen 2:00 Uhr Ortszeit wurden daraufhin 15 km südlich der Stadt Kunden im Norden Afghanistans zwei von Taliban entführte Tanklastwagen und die sich in nächster Nähe befindlichen Menschen bombardiert. Danach waren mehr als 100 Menschen tot. Zerfetzt oder verbrannt. Darunter viele Kinder und Jugendliche.

Die vom deutschen Kommandeur angeforderten zur Bombardierung aufgeforderten Piloten der zwei US Kampfflugzeuge hatten sich vorab geweigert ein direktes Bombardement durchzuführen. Es war deutlich zu erkennen, dass sich eine große Menschenansammlung im Bereich der Lastzüge befand, dass sich darunter auch jede Menge Zivilisten befinden würden war offenkundig. Die dem deutschen Kommandeur partiell unterstellten US-Piloten waren der Ansicht, es würden einige Tiefflüge genügen, um die Menschenmenge von den Tanklastzügen zu vertreiben.

Der deutsche Offizier jedoch blieb hart.

Dieser Einsatz forderte die bisher größte Anzahl von Opfern in der Geschichte der Bundeswehr überhaupt als auch durch die in Afghanistan gemeinsam kämpfenden Truppen ISAF. Der Angriff und die folgenden Reaktion der Bundeswehrführung wurden im Inund Ausland heftig diskutiert.

Ein Bundesminister trat zurück, der Generalinspekteur der Bundeswehr und ein Staatssekretär wurden entlassen. Der befehlsgebende deutsche Bundeswehr-Oberst ist allerdings zwischenzeitlich zum Brigadegeneral befördert worden. Schadenersatzklagen der Opfer und ihrer Angehörigen sind bis auf den heutigen Tag rechtshängig.

Es geht an dieser Stelle nicht um individuelle strafrechtliche Schuldzuweisungen an den Kommandeur oder seine direkten Untergebenen. Ebenso wenig geht es um die Gleichsetzung nicht vergleichbarer Handlungen. Es geht um die besondere Verantwortung, welche die gesamte Republik einschließlich des Wahlvolkes zu tragen hat, wenn sie sich mit ihren Streitkräften an Auslandseinsätzen beteiligt.

Hass gegen Hass steigert nur die Existenz des Hasses und des Bösen im Universum. Wenn ich dich schlage und du mich schlägst und ich den Schlag zurückgebe und du den Schlag zurückgibst usw., dann ist klar, das geht ewig so weiter. Es endet einfach niemals. Irgendwo muss irgendjemand ein bisschen Verstand haben, und das ist der starke Mensch. Der starke Mensch ist derjenige welche die Kette des Hasses, die Kette des Bösen durchschneiden kann.“ (Martin Luther King, 1957. Zitiert nach Amoris laetita Nr. 118, 19.3.2016 nachsynodales Schreiben des Papstes Franziskus)

Ich wünsche Ihnen ein gutes Weihnachtsfest

Herzlichst
ihre Jaqueline Hartmann

2017-01-19T08:47:02+00:00 24. Dezember 2016|